 Reisemagazin - Italien
Umbrien: Spröde Schönheit
Sanft geschwungene Hügel im Westen und zerklüftete Gebirge im Osten - das markante Gesicht Umbriens wurde durch Wind und Wetter gegerbt. Weite Wiesen und dichte Wälder – im Herzen Italiens bleibt der Blick immer wieder an sattem Grün hängen. Dazwischen schlängeln sich Flüsse durch tiefe Täler. Nicht so lieblich wie die benachbarte Toskana, stattdessen prägt eine spröde Schönheit das Land. Drei Highlights der umbrischen Bergwelt darf man auf keinen Fall verpassen: Den Marmore-Wasserfall, die Hochebene von Castellucccio und den Steinwald von Dunarobba.
Die östliche Apenninkette ist das höchste Gebirge der Region. Es verläuft von Monte Corno del Catria bis zu den Sibillinischen Bergen. Andere Gebirge erstrecken sich parallel zu dieser Bergkette in Richtung Westen: Langsam nehmen dabei die Höhen ab. So weit das Auge reicht, dehnen sich schließlich fruchtbare Hügel mit weiten Olivenbaumbeständen aus – antike Dörfer und Bauernhöfe liegen wie Sommersprossen dazwischen.
Tief in den Bergen: Unwegsame Schluchten kennzeichnen den Lauf des Flusses Nera. Er fließt durch die schönsten und wildesten Apennin-Täler. Brücken, Mühlen, Türme und Burgen: Sie zeugen noch heute von der Jahrtausende alten Besiedlungsgeschichte dieses rauen Landstrichs. Doch die Natur hat sich das Gelände zurückerobert. Mediterraner Buschwald, Aleppokiefern und Steineichen: Entlang des Flusses erstrecken sich Kilometer weite Wälder. Ein gewaltiges Naturschauspiel wartet sechs Kilometer von Terni inmitten der Wildnis: Die Cascata delle Marmore, der größte Wasserfall Europas. Steil schraubt sich die Straße in die Höhe bis zu jenem Punkt, wo die Wassermassen des Velino 165 Meter tief in den Fluss Nera hinabstürzen.
Die Sibillinischen Berge gelten als ebenso außergewöhnliches wie einmaliges Fleckchen in ganz Europa. Hier existieren noch Tierarten, die andernorts bereits ausgestorben sind. Im Buchenwald "Macchia Cavaliere" zwischen Pian Piccolo und den Gebirgskämmen finden beispielsweise Wildkatzen und Wölfe noch Unterschlupf. Auf dem höchsten Punkt des Valnerina-Tals - mitten im Herzen des Nationalparks der Sibillinen - wartet eine einzigartige Landschaft: Die Karstebenen von Castelluccio. Das einsame Hochtal oberhalb von Norcia ist ein eigener Mikrokosmos - gigantische Grasflächen bedecken das Hochplateau. Eine ganz andere Attraktion bietet der Pian Grande: In den ersten Junitagen gerät man hier mitten hinein in das spektakuläre Schauspiel der Alpenblüte. Klatschmohn, Kornblumen, Narzissen und Linsenblüten verwandeln die Hochebenen in ein Meer von Farben und Düften.
Vor 20 Millionen Jahren tauchte Umbrien aus dem Meer auf. Und während die Berge des Apennin in die Höhe wuchsen, blieb in der Mitte ein großer See zurück. An seinen Ufern wuchsen Wälder mit riesigen Sequonien. Heute sind alle diese Wälder verschwunden – bis auf einen. In der Nähe von Avigliano Ubro erheben sich im Wald von Dunarobba noch immer gewaltige Fossilienstämme in den Himmel. Sie sind bereits 200.000 Jahre alt.
Fausto Bimbi, XXL News
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