 Reisemagazin - Neuseeland
Samtweiche Tropfen im Paradies
Als Gott den Wein erfand, legte er seinen Weingarten in Wairarapa an. Das könnte man meinen, wenn man den Spätburgunder aus Süd-Neuseeland kostet. Und außer Wein gibt's dort noch tolle Surfstrände, ursprüngliche Wälder und surreale Felsgärten.
Für passionierte Rotweintrinker ist die Reise in die Region ein Muss. Der Ort Martinborough ist das Ziel der (Wein-)Träume. 1881 gegründet, gibt sich die Stadt selbst mit stilvoller Eleganz. Selbst wer hohe Ansprüche an die Unterkunft stellt, hat in Martinborough die Qual der Wahl.
Ihr Wein ist der Stolz der Martinborougher. Denn mit ihm sind sie buchstäblich in aller Munde: Seit einigen Jahren finden Weine aus Martinborough internationale Beachtung. Dementsprechend hoch sind die Ansprüche der Winzer. Sie schützen ihre Produkte mit einem blauen Siegel, dem so genannten “Martinborough Pride”. Danach muss mindestens 85 Prozent des Flascheninhalts von Trauben aus dem Anbaugebiet kommen. Die Weingüter in Martinborough sind allesamt Familienbetriebe – selten größer als acht Hektar. Die Mühe lohnt sich, denn fast alle der 17 Besitztümer führen preisgekrönte Jahrgänge.
Wein ist aber nicht alles, was diese Gegend zu bieten hat. Wer gut zu Fuß ist, den erwartet nach einer vierstündigen Wanderung auf dem Chasm Walkway ein versteinertes Wunderland: Wasserfälle stürzen von den Steilhängen, am Wegesrand grüßen fossile Zeugen aus längst vergangener Zeit. Von Martinborough aus geht es dann über eine ungeteerte Straße knapp 70 Kilometer zum Cape Palliser, dem südlichsten Zipfel der Nordinsel. Hier liegt die größte Seehund-Kolonie der nördlichen Hauptinsel. Während der Aufzucht der Jungen von November bis Januar ist respektvoller Abstand geboten.
An der Küstenstraße entlang der Palliser Bay ragen die Putangirua Pinnacles empor. In jahrtausendlanger Geduldsarbeit formten hier Wasser und Sand einen surrealen Felsgarten. Dem sirrenden Pfeifen des Windes hat die Gegend ihren poetischen Maori-Name zu verdanken: Das Echo des Rufs der Vogelflöte. An der Palliser Bay setzte vor mehr als 150 Jahren eine eigentümliche Reisegesellschaft ihre Hufe auf die Erde: Die erste Schafherde auf Neuseeland.
Die Reise der ersten neuseeländischen Schafe führte auch durch die Lake Wairarapa Wetlands, ein großes Feuchtgebiet. An die 100 Vogelarten haben hier ihre Heimat – darunter vier Spezies, die vom Aussterben bedroht sind. Drei Pfade unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade führen durch das sensible Biotop.
Nach der Erkundung des südlichen Wairarapas geht es Richtung Norden. Die erste Station ist Greytown. 1853 gegründet, kann sich die ehemalige Schaffarmer-Siedlung stolz als die „älteste Ortschaft im Landesinnern” bezeichnen. Eine nahezu vollständig erhaltene Meile viktorianischer Holzbauten versetzt die Touristen ins 19. Jahrhundert. Greytown ist Ausgangspunkt für Ausflüge in den westlich gelegenen Tararua Forest Park. Outdoor-Fans kommen in dem urwüchsigen Waldgebiet mit seinen kristallklaren Flüssen voll auf ihre Kosten – vom Paddeln bis Mountain Biking.
Camilla Härtewig
Foto: Tourism New Zealand
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