 Reisemagazin - Griechenland
Chalkidiki und Kerkini
Im Juli und August suchen die Griechen Abkühlung am Meer, denn im Landesinneren wird es oft unerträglich heiß. Dann fahren sie nach Chalkidiki. Die Halbinsel im Nordosten des Landes bietet langes Sandstrände und einsame Felsenbuchten. Wer sich für die Natur interessiert, hat es von dort nicht weit nach Kerkini.
Die Halbinsel läuft im Süden in drei dünnen "Fingern" ins Mittelmeer. Kassandra, Sithonia und Athos. Von Thessaloniki erreicht man den ersten Finger, Kassandra, in gut einer Stunde. Die Gegend ist wellig und touristisch voll erschlossen. An den kilometerlangen Sandstränden tummeln sich die Sonnenanbeter. Sithonia dagegen kommt deutlich rauer daher und ist auch dünner besiedelt. Im Gegensatz zu den großen Stränden Kassandras gibt es hier zahlreiche ruhige Strände in kleinen Buchten. Für das entspannte Meerprogramm also genau das Richtige.
Auf dem dritten Finger der Chalkidiki liegt die Mönchsrepublik Athos. Tourismus hat hier praktisch keine Chance, denn der Bereich ist für Besucher weitgehend gesperrt. Pro Tag dürfen zehn Männer hinein, die nicht orthodoxen Glaubens sein dürfen. Trekking-Urlauber wird gestattet, in den Klostern kostenlos zu nächtigen, dabei gehen die Mönche selbstverständlich davon aus, dass sich ihre Besucher am Klosterleben beteiligen. Für manchen die letzte Zuflucht: Frauen ist der Zutritt des Terrains strengstens verboten.
Thessaloniki ist die zweitgrößte Stadt Griechenlands, geprägt von vielen Kirchen und Museen. In der Hauptstadt Makedoniens ist Geschichte allgegenwärtig. Römer, Venezianer, Deutsche, Russen, Armenier, Juden und Muslime und nicht zuletzt der größte Sohn des Landes, Alexander, haben hier Spuren hinterlassen. Die Altstadt gibt lebendiges Zeugnis griechischen Lebens, ungezählte Cafes und eine herrliche Strandpromenade laden zum Verweilen.
Wer dagegen von Thessaloniki in den Norden Richtung Bulgarien fährt, kommt nach etwa 80 Kilometern in eine ganz andere Welt. Dort liegt der Ort Kerkini und der gleichnamige Stausee. Die Gegen ist ein Naturparadies. Das Schwemmland steht im Frühjahr unter Wasser, im Sommer zieht sich das Nass zurück. Auf Bäumen, die aus dem Wasser heraus ragen, leben ungezählte Kormorane, an den Ufern weiden Wasserbüffel, Pelikane sind hinter dem reichen Fischbestand her.
Um den See zieht sich eine einfache Straße, die auf einem Damm verläuft. Ein idealer Platz zur Beobachtung der reichen Flora und Fauna. In den Ortschaften warten geschäftstüchtige Griechen auf Besucher, denen sie Boote vermieten. Dabei gilt es, großen Abstand zu den Brutstätten der Vögel einzuhalten - Artenschutz wird hier groß geschrieben. Ein besonderes Spektakel erwartet Besucher von Kerkini am 21. Mai eines jeden Jahres, am Tag des Festes des Heiligen Konstantin und der Eleni. Dann feiern Familien ein uraltes Ritual: Gläubige tragen Ikonen barfuss durch die Glut erloschener Feuer. Eigentlich eine Familienangelegenheit, aber Besucher können gerne zusehen.
(Peter Hemke)
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