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Reisemagazin - Italien

Ischia: Essen, trinken, pfeifen

Im vielbesungenen Golf von Neapel, in Sichtweite des Vesuvs, liegen Trauminseln. Capri ist eine davon, doch gleich daneben liegt ein ungleich weniger beachtetes Juwel: Ischia. Insel der Götter, der Träume, der heilenden Wasser, Idyll italienischer Lebensart. Und so heißt es auch "Benvenuto a Ischia – dove si mangia, si beve e si fischia", "Willkommen auf Ischia, wo man isst, trinkt und pfeift".

Der Entstehungsmythos Ischias erzählt vom Kampf der olympischen Götter mit den Zyklopen, Söhne der Erdmutter Gaia. Als die wüsten Gesellen den Sitz der Götter stürmen wollten, zerschmetterte sie Zeus mit gewaltigen Felsbrocken. Der Oberriese Tifeo stürzte ins Meer und wurde unter Steinen begraben – so entstand Ischia (sprich: Iskia). Der Unhold spuckte Feuer und weinte in seinem Grab, noch bis ins 15. Jahrhundert gab es auf Ischia vulkanische Aktivität und aus den Tränen des Zyklopen wurden heiße Quellen, die überall auf der kleinen Insel sprudeln und das liebenswerte Eiland zum Wellness-Paradies moderner Prägung machten. Einige Quellen sind radioaktiv, viele enthalten Schwefel- und Alkali-, manche auch Brom- und Jodsalze.

Später kamen die Griechen und besiedelten die Insel als Teil ihrer westlichen Kolonien, der so genannten Magna Grecia, später besaßen Spanier die Gegend und errichteten das prächtige Castello Aragonese vor dem Hauptort Ischia hinterließen. Heute hat beinahe jedes Hotel auf Ischia eine eigene Quelle, doch auch der Besuch der großen, öffentlichen Bäder, etwa der Poseidon-Anlage in Forio lohnt sich.

Ischia ist geprägt von schroffen Küsten, getrennt von hübschen Sandstränden, steil aufragenden Felsen und viel Natur. Der Vulkan Epomeo, höchste Erhebung der Insel, ragt 787 Meter auf und bietet einen spektakulären Blick über die Inselgruppe vor dem Golf Neapels. Kein Wunder, dass hier Piratenfilme mit Errol Flynn gedreht wurden. Es lohnt sich aber auch, das verschlafene Inselinnere mit dem Auto zu erkunden, wobei ein Kleinwagen empfehlenswert ist, denn wenn einem in den engen Dorfgässchen der Bus entgegenkommt, heißt es Außenspiegel anklappen und an die Mauer drücken.

Wer mit dem eigenen Auto anreist und nicht in einer Hotelgarage parkt, wird eine erstaunliche Entdeckung machen: Fahrzeuge, die in den engen Gassen unter optimaler Platznutzung abgestellt werden, stehen offen und der Schlüssel steckt auch. Das gilt für verbeulte Kleine, aber auch für noble Karossen. Wenn ein Zugeparkter weg möchte, changiert er eben so lange mit den anderen Fahrzeugen, bis es passt. Das funktioniert deshalb, weil die Insel klein und nur über den Seeweg erreicht werden kann. Autodiebstahl kommt hier, nur einen zyklopischen Steinwurf vom Langfinger-Eldorado Neapel, so gut wie nicht vor. Das bedarf für unsereiner einiger Gewöhnung, doch wer ein paar Mal gerufen wurde, um seinen Wagen wegzufahren, wird es schnell lernen.

Guido Augustin

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