 Reisemagazin - Neuseeland
Der liebeskranke Berg
Die Maori-Legende erzählt, dass die mächtigen Berggötter einst friedvoll im Zentrum der neuseeländischen Nordinsel thronten. Der Friede wurde jedoch gestört, als der Berg Taranaki der schönen Pihanga seine Liebe erklärte. Da erhob sich ein dunkles Grollen und es begann ein langer Kampf zwischen Tongariro und Taranaki. Voller Zorn und Trauer verließ Taranaki als Verlierer seine Heimat und wanderte gen Westen. Er ließ sich auf einer Halbinsel nieder, die auf drei Seiten von der Tasmanischen See umspült wird. Man sagt, die unzähligen Flüsse, die seinen Hang hinunter laufen, seien die Tränen des unglücklich Verliebten.
Eine traurige Geschichte – die Menschen in dieser Gegend jedoch können sich glücklich schätzen, dass der Berg zu ihnen fand. Denn ihm haben sie es zu verdanken, dass sie heute in einer der abwechslungsreichsten Landschaften Neuseelands leben. Als fast symmetrischer Kegel erhebt sich der Riesenhügel aus einer sattgrünen Weidelandschaft.
In ehrfurchtsvollem Abstand haben sich um ihn herum beschauliche Städtchen wie New Plymouth, Stratford und Hawera angesiedelt, die wiederum von einem 300 Kilometer langen Küstenstreifen mit traumhaften schwarzen Sandstränden umgeben sind. Wer den 2.518 Meter hohen ruhenden Vulkan besteigt, trifft fast jeden Höhenmeter auf eine andere Umgebung. Am Fuß wuchert subtropischer Küstenwald mit majestätischen Rimu- und Kamahi-Bäumen. Kurz darauf betritt man einen fast mystisch anmutenden Regenwald, wo moosbedeckte Bäume, Schlingpflanzen und Nebelschwaden die Existenz von Gnomen und Elfen vermuten lassen: Den Goblin Forest.
Kurz vor dem Gipfel öffnet sich ein subalpines Kräuterfeld mit Pflanzen, die es nirgendwo sonst auf der Welt gibt. Und schließlich lockt die verschneite Spitze, die im Winter nach Tongariro das wichtigste Skigebiet der Nordinsel ist. 300 Kilometer Wanderwege gibt es auf dem Mount Taranaki und im umliegenden Egmont National Park. Sie führen über Flussläufe, zu kleinen Bergseen und romantischen Wasserfällen, während die unzähligen Vögel der Gegend die Hintergrundmelodie pfeifen. Gute Ausrüstung ist ein Muss.
Wer's spektakulärer mag, der sollte das "Dam Dropping" ausprobieren. Für mutige Touristen gibt es robuste Wasserschlitten, mit denen sie auf eine dreistündige, atemberaubende Reise auf den Waingongoro River geschickt werden. Dabei stürzen sie kopfüber bis zu acht Meter tiefe Flusskaskaden hinunter. Auch für Surfer ist Taranaki ein Dorado: Vom Anfänger bis zum Meister ist am 106 Kilometer langen Surf-Highway für jeden etwas dabei.
Ruhe und Entspannung gibt es in den unzähligen Grünanlagen der Region. Nicht umsonst wird Taranaki auch "Der Garten Neuseelands" genannt. Mehr als 70 Parks stellen beim Rhododendron-Festival zwischen Oktober und November ihre Schönheit zur Schau. Eines dieser botanischen Wunder ist der Pukehura Park. Mit seinen zwei Seen, umgeben von 49 Hektar urwüchsiger Buschlandschaft, verwandelt er sich beim jährlichen "Festival of Lights" von Dezember bis Februar in ein gigantisches, leuchtendes Fantasia.
Historisch Interessierte sollten einen Abstecher in das Städtchen Hawera im Süden machen. Denn hier lebt in Nigel Ogles Tawhiti Museum die Geschichte der Region auf. Großvater Ogle hatte 1881 inmitten dieses fruchtbaren Weidelandes die Tawhiti Mühle gebaut, die unter der Regie seines Enkels zu einem beeindruckenden Privatmuseum wurde. In Alltagsszenen stellen Wachsfiguren die Historie Taranakis von der frühen Besiedlung durch die Maori, über die Landkriege bis hin zur Industrialisierung der Region dar.
Für Shakespeare-Fans hingegen ist Stratford ein Muss. Die Gemeinde hat jede ihrer Straßen nach einem Thema aus dessen Dramen benannt. Auf einem überdimensionalen Glockenspiel im Zentrum des Dorfes zeigen sich Romeo und Julia für kurze Augenblicke mehrmals am Tag. An diesem wunderlichen Ort beginnt zudem der Lost World Highway. Über die "Brücke nach Irgendwo" gelangt man zu den 80 Meter hohen Wasserfällen des Mount Damper und zum Maraekowhai Reserve, einer alten Maori-Wehranlage
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