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Reisemagazin - USA

Der höchste Punkt von Texas

Grenzenlose Wildnis, unendlich blauer Himmel und Stille. Nur der Hauch des Windes ist hier oben auf 2.000 Metern Höhe zu spüren. Noch sind 600 Meter zu erklimmen bis zum höchsten Punkt von Texas: Dem Guadalupe Peak. Die Heimat von Kojoten, Berglöwen und Stachelschweinen - eigentlich zu abgelegen für Touristen.

West-Texas: Ein Land für Abenteurer. Nur wenige verirren sich hierher. In den Nationalpark führt keine Straße. Nur Wanderwege erschließen diese Welt aus Kakteen, Schluchten und trockenen Flussbetten. Am Fuß des Berges brennt die Sonne erbarmungslos. Wer unachtsam ist, verheddert sich leicht im dornigen Gestrüpp - ein mitunter schmerzhaftes Missgeschick. Ruhe liegt über dem Canyon. Guadalupe ist ein Ort, in dem man sich verlieren kann. 650 Kilometer lang ist das fossile Kalkriff, an dessen südwestlichem Ende majestätisch der Guadalupe Peak mit 2.667 Metern emporragt.

Rund 360 Kilometer Luftlinie entfernt liegt in der Biege des Rio Grande ein weiteres Juwel von West-Texas. Der Big Bend Nationalpark - ein Land der Gegensätze: Kühle, Schatten spendende Berge, heiße Wüstenlandschaften, Canyons, flache Tafelberge und steil nach oben ragende Felsdome wechseln sich ab. Auch dieses Gebiet ist noch Teil der großen Chihuahua-Wüste - eine der vier großen Trockenregionen der USA. Im Mai und Juni ist der Besuch ein schweißtreibendes Unterfangen. Die Temperatur steigt dann auf bis zu 40 Grad Celsius. Vor 100 Milllionen Jahren sah es hier noch ganz anders aus: Der Big Bend war ein Ozean.

Ein ganz anderes Bild bietet sich Besuchern nach den Regenfällen im Frühjahr. Wenn Hunderte von Wildblumen den Boden wie ein bunter Teppich überziehen, wenn die roten und gelben Kaktusblüten wie Markierungspunkte in der Landschaft wirken, dann lebt die Wüste.

Was der Naturfreund in West-Texas braucht, ist Zeit. Es ist nicht möglich, die beiden riesigen Nationalparks innerhalb von wenigen Stunden zu erkunden. Ein paar Tage sollte man für das Erlebnis schon erübrigen. Schließlich umfassen die Trails für Hobby-Wanderer oder geübte Hiker mehr als 100 Meilen im Big Bend. Tipps zu Touren gibt es bei den Rangern der Parks. Und am Abend bleibt dann Zeit, das Spiel von Licht und Schatten zu betrachten oder den Stimmen der Tiere zu lauschen. Zeit, um zu sich selbst zu finden.

Camilla Härtewig



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