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Reisemagazin - Malaysia

Unterwegs in Sarawak

Mehr Infos über Malaysia hier: www.malaysia-infos.de
www.borneo2004.de
www.sarawak tourism.com
Von Kuala Lumpur aus kommend landen wir auf der drittgrößten Insel der Welt, auf Borneo. Wenn man diesen Namen hört, dann denkt man automatisch an undurchdringlichen Dschungel, wilde Tiere und gefährliche Kopfjäger.

Als wir vom Flughafen nach Kuching, der Hauptstadt des größten malayischen Bundesstaates Sarawak fahren, sehen wir, dass auch hier die Zivilisation längst Einzug gehalten hat. Auf einer neuen geteerten Strasse geht es vom Flughafen in die moderne Stadt am Sarawak River mit mehr als 1 Million Einwohnern. Das Wort Kuching heißt bei den Malayen übrigens Katze. Aus diesem Grund gibt es in der Stadt mehrere Katzendenkmäler. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten ...

Unser Zimmer im Merdeka-Palace-Hotel ist leider noch nicht bezugsfertig, und so beschließen wir zwischenzeitlich das Sarawak Museum zu besichtigen, denn dieses ist nur wenige Schritte vom Hotel entfernt. Vor dem Eingang steht eine Art Totempfahl. Wir erfahren, dass es sich um einen Begräbnispfahl für den Häuptling eines Iban-Stammes handelt. Die Iban sind ein Stamm der Ureinwohner Borneos und in früheren Zeiten für die Kopfjagd bekannt. Neben den Iban leben weitere Volksstämme in Sarawak, die ebenfalls Kopfjäger waren, wie die Dayak und Kayan. Im Museum informieren uns zahlreiche Schaukästen und Modelle über die reichhaltige Flora und Fauna Borneos, sowie über die Kulturgeschichte dieses malaysischen Staates.

Da es plötzlich schüttet wie aus Kübeln, machen wir eine Stadtrundfahrt und schauen uns Kuchings Chinatown, die Katzendenkmale, den Main Bazaar und die Waterfront des Sarawak-Flusses durch die Autofenster an. Nur am verkehrsumtosten ältesten chinesischen Tempel Tua Pek Kong steigen wir kurz aus und sind im Tempel fast betäubt von den vielen glimmenden Räucherstäbchen und Rauchspiralen, die von den Gläubigen angezündet werden.

Als der Regen aufhört begeben wir uns zum Main Bazaar auf die Suche nach Postkarten für die lieben Anverwandten daheim. Wir stöbern durch kleine Geschäfte mit traditionellen Schnitzereien, Webarbeiten, Keramik und zahlreichen Gegenständen, die aus Rattan oder Bambus hergestellt werden. Durch schmale Gässchen gelangen wir zu duftenden Gewürzlädchen, wo es auch den guten Borneo-Kaffee zu kaufen gibt. Ein kurzer Abstecher führt uns zur bekannten Waterfront, wo wir den Ruderern auf dem Sarawak River beim Training zur alljährlichen Regatta zuschauen. Auf der anderen Uferseite erblicken wir das weißgetünchte Fort Margarita mit seinen beiden Türmen. Unweit liegt die Astana, die einem britischen Landsitz ähnelt und heute den Regierungssitz des Staatsoberhauptes von Sarawak beherbergt.

Unser Abendessen genießen wir im Top Spot Food Court. Auf dem obersten Deck des Parkhauses hinter dem Wisma Bukit Mata Kuching in der Jalan Padungan wird frisches chinesisches "Seafood" und jede Menge einheimisches Gemüse angeboten. Bei 25 verschiedenen Food-Stalls, so nennt man die kleinen Garküchen, hat man wirklich die Qual der Wahl. Ich probiere zum ersten Mal in meinem Leben Krebsfleisch und bin sofort begeistert. Außerdem kosten wir noch Fisch in Thai-Soße, Krabben, Garnelen und Farn aus dem Regenwald. Ich entwickele mich an diesem Abend zum absoluten „Farn-Fan“. Also unbedingt probieren!!! Zu unserem leckeren Abendessen trinken wir chinesisches Tiger-Beer das, wie überall in Malaysia, sündhaft teuer ist. Nach dem reichhaltigen Essen fallen wir in unserem Hotel schnell in einen tiefen Schlaf.

Semengoh Forest Reserve

Um 8 Uhr fahren wir los zum Semengoh Wildlife Centre, das ungefähr 30 Kilometer außerhalb von Kuching liegt. Früher war hier ein Rehabilitations-Zentrum für Orang-Utans, die entweder aus Gefangenschaft befreit wurden oder verwaist aufgefunden wurden. Doch mittlerweile ist das Areal einfach zu klein geworden, um noch neue Menschenaffen aufzunehmen. Deshalb wurde zusätzlich eine Art Pflanzenlehrpfad angelegt, wo man Orchideen, Bambus und viele Wild- und Nutzpflanzen kennenlernen kann.

Als wir ankommen und unser Eintrittsgeld beim Parkranger bezahlen, gaukelt eine Orang-Utan-Dame mit ihrem Sprössling durch die Bäume und steigt langsam herab. Unten wartet schon ein Ranger mit Futter auf die Beiden. An der Stromleitung ein paar Meter weiter hangelt sich mit viel Geschrei ein Gibbon-Affe entlang und neben mir im Baum genießt ein Leguan seine Ruhepause.

Die Orang-Utan-Mami kommt auf uns zu, doch wir halten respektvoll Abstand, um sie nicht zu erschrecken. Plötzlich erscheint eine weitere Reisegruppe und ich frage mich ernstlich, wer hier nun die Affen sind. Durch den Urwald geht es dann zur Fütterungsplattform für all die halbwilden Orang-Utans, die hier noch leben. Begleitet wird unser Marsch vom Dschungelorchester der Zikaden und dem inbrünstigen Gibbon-Gesang. Auf der Plattform ruft der Ranger nach seinen Orangs und wir müssen nicht lange warten, da sehen wir schon einen der roten „Waldmenschen“, der sich durch die hohen Bäume hangelt. Es ist auch ein Weibchen mit einem kleinen Baby, das sich natürlich gerne füttern lässt.

Lange Zeit stehen wir wie gebannt dort und beobachten die Beiden, die sich überhaupt nicht durch uns Touristen stören lassen. Wir erfahren, dass die Orang-Utan-Mama hier aufgezogen wurde. Wohl weil sie sich hier recht wohl fühlt hat sie im Park ihr Junges zur Welt gebracht. Diese scheinbare Idylle sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Lebensraum der Orang Utans immer kleiner wird und die gesamte Tierart stark bedroht ist. Der Raubbau in den Regenwäldern wird mit unglaublicher Geschwindigkeit vorangetrieben.

Bako National Park

Kampung Bako ist der Ausgangspunkt für unseren Ausflug in den Bako National Park. Mit dem Taxi braucht man ungefähr eine halbe Stunde von Kuching bis Kampung Bako. Von hier aus gibt es einen Bootstransfer zum Nationalpark. Vor dem Besuch muss man sich allerdings beim Visitor’s Information Centre in Kuching anmelden. Hier kann man auch eine Unterkunft buchen, wenn man mehrere Tage im Park verbringen möchte.

Wir kommen morgens mit dem Boot im Park an. Am Strand bewundern wir die farbenprächtigen Sandsteingebilde im fahlen Sonnenlicht, bevor wir uns zum Headquarter aufmachen. Dort erwartet uns unser indischer Guide, dessen Namen wir bis heute weder aussprechen, geschweige denn schreiben können. Wir machen uns auf, den Park zu erkunden und unser Guide findet schnell eine "Pit-Viper" unweit der Kantine, die er grinsend für uns "fototauglich" arrangiert. Die Schlange scheint das nicht zu stören, da sie gerade mehr mit dem Verdauen eines Beutetieres beschäftigt ist, was man deutlich an ihrem wohlgerundeten Körper sehen kann.

Einige Meter weiter entdecken wir eine Baumschlange, die zwar ungiftig sein soll, aber absolut nicht ungefährlich aussieht. Ohne Führer hätten wir die Schlange nie entdeckt! Über einen Plankenweg mit mehreren Beobachtungshüttchen marschieren wir durch den Mangrovenwald. Da gerade die Ebbe einsetzt können wir viele Winkerkrabben und Schlammspringer sehen. Mit dem Fernglas erspähen wir einen langen Schwanz aus einem hohen Urwaldbaum hängen und dann erkennen wir noch einen gurkennasigen Gesellen in einer orangefarbenen Jacke. Hurra – zwei Nasenaffen! Diese Affenart gibt es nur auf Borneo und ist mittlerweile nur noch sehr selten anzutreffen. Die Beiden fühlen sich durch uns etwas gestört und verschwinden ganz schnell im tiefen Grün des Waldes.

Wir wandern weiter über den Paku-Trail, der an einer schönen kleinen Bucht am Meer endet. Die Wege hier sind toll ausgeschildert, so dass man sich nicht verlaufen kann und auch ohne Guide gut zurecht kommt. Unterwegs erfahren wir sehr viel über die verschiedenen Pflanzen des Dschungels. Die Einheimischen benutzen den Urwald als eine Art Supermarkt, in dem man alles, was man zum Leben braucht, findet. Es gibt verschiedene "Baumaterialien", viele essbare Pflanzen und auch zahlreiche Arzneipflanzen. Manche Pflanzen sind sogar alles in einem und es soll hier sogar eine Pflanze gedeihen, von der man sich Hilfe im Kampf gegen Aids erhofft. Nicht einmal die Lianen hängen hier nur einfach so herum. Aus einer Lianenart kann man Pfeilgift für die Jagd gewinnen und die andere gilt als ein zuverlässiger Wasserlieferant.

Am Meer legen wir eine kurze Pause ein, bevor wir den Aufstieg auf die Hochebene wagen. Dort gibt es unzählige Nepenthes-Pflanzen, sogenannte Kannenpflanzen, zu bestaunen. Unterwegs können wir noch einmal zwei dickbäuchige Nasenaffen in einem der gewaltigen Urwaldbäume entdecken.

Nach einem langen und interessanten Fußmarsch gelangen wir total verschwitzt schließlich wieder an den Strand, wo unser Boot auf uns wartet. Hätten wir mehr Zeit, dann würden wir auf jeden Fall ein paar Tage in einer der einfachen, aber gemütlichen Hütten im Park verbringen. Es gibt hier so viel Natur zu entdecken! Aber jetzt geht es erst mal wieder zurück nach Kuching – zurück in die Zivilisation.

Wir danken dem Sarawak Tourism Board für die freundliche Unterstützung.

Heike Gerber, fernweh.com
Alle Bilder: fernweh.com

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