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 Reisemagazin - Kanada
Auge in Auge mit den Killerwalen
Die See war bleigrau und der Küstennebel lag wie ein feuchtes weißes Tuch über allem. In mehrere Schichten von Pullis und in meine Windjacke gehüllt, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, ließ ich mir an Bord der „Gikumi“ den eisigen Wind um die Nase wehen.
Unser Schiff war von Telegraph Cove aus unterwegs in Richtung Robson Bight, wo ich und alle Mitreisenden hofften Killerwale, oder Orcas, wie sie auch genannt werden, zu sehen. Die Luft war eisig und die vorgelagerten Inselchen konnte man nur durch einen schier undurchdringlichen Schleier erkennen. Ob man bei solch einem Wetter wohl Wale zu sehen bekäme?
„Wal in Sicht!“ Plötzlich wurde es sehr hektisch an Bord. Ferngläser wurden aus den Taschen gekramt und Kameras wurden herausgerissen. Gespannt starrten wir auf das Meer und dann sahen wir tatsächlich eine schwarzglänzende Finne aus dem Wasser ragen. Die Maschinen wurden gestoppt und in der plötzlichen Stille vernahmen wir von überall ein Schnaufen und Blasen.
Da sahen wir sie – Orcas! Videokameras surrten, Fotoapparate klickten aufgeregt. Neugierig kamen die schwarzweißen Wale zu unserem Boot geschwommen, tauchten darunter hindurch, um plötzlich wieder neben uns prustend aufzutauchen. Über ein Unterwassermikrophon konnten wir an Deck live die Walgesänge hören. Ich bekam eine Gänsehaut.
Eine Meeresbiologin erklärte uns viel über das Leben der Schwertwale. Sie erläuterte uns, dass es drei verschiedene Gruppen von Orcas gibt. Diese
Wale, die wir hier zu sehen bekamen, leben immer in dieser Gegend und ernähren sich nur von Fisch. Sie sind sehr freundliche und friedliche Tiere. Aber den schlechten Ruf haben die Killerwale von den sogenannten „Transients“, die sowohl in Küstennähe als auch auf hoher See jagen. Diese Wale wurden schon dabei beobachtet, wie sie Elche am Ufer rissen und Robben gehören zu ihrer erklärten Lieblingsspeise. Dann gibt es noch die Orcas, die immer weit draußen im Meer leben und jagen.
Unsere Wale sind diejenigen, die wohl am besten erforscht sind und sich über die Jahre an den Menschen und die Motorengeräusche gewöhnt haben. Wir sahen sie immer nur im Familienverband durchs Wasser gleiten und lernten auch die Sprache der verschiedenen Familien zu unterscheiden. Also gibt es doch auch so etwas wie Dialekte im Tierreich.
Zwischendurch konnten wir uns in der Kajüte dann mit heißem Tee und Kaffee wieder aufwärmen und uns an leckeren Muffins laben. Derweil schipperte uns unser Käpt'n weiter hinaus in die Johnstone Strait, wo wir noch mehr schwarzweiße Meeressäuger sahen. Manchmal hatte ich wirklich das Gefühl sie würden mich mit ihren großen Augen ansehen, so dicht kamen sie an unser Boot heran. 5 Diafilme und 3 Stunden später erreichten wir wieder völlig durchgefroren Telegraph Cove und waren alle total happy so viele Wale gesehen zu haben.
Leider sind auch diese majestätischen Tiere durch die Umweltverschmutzung immer mehr in ihrem Bestand bedroht. Wir sollten alles tun, dass noch viele Menschen nach uns die Chance haben, diese wunderschönen Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten zu können.
Heike Gerber, fernweh.com
Bilder: fernweh.com
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