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 Reisemagazin - Portugal
Sintra: Der Garten Eden
Wenn Lissaboner Adel und Bourgeoisie seinerzeit in die Sommerfrische reisten, mussten sie keine weite Strecke zurück legen: Es zog sie stets nach Sintra, einer kleinen Stadt rund 30 Kilometer westlich der Metropole. Das milde Klima und die unglaublich schöne Lage garantieren noch immer eine besondere Atmosphäre.
Sintra hat von allem etwas: Den Besucher erwartet bemerkenswerte Architektur wie ungewöhnliche Landschaft. Neben der verwinkelten Altstadt mit Schlössern, Villen und Palästen sind es die steilen Hügel und eine der reichsten Vegetationen Europas, die der Stadt ein ganz spezielles Flair verleihen. Rund 3.000 Pflanzenarten, darunter exotische Palmen, Baumriesen und unzählige Farne, gedeihen in der Serra de Sintra wie in einem Gewächshaus und sorgen für ein mildes Mikroklima, das selbst im Hochsommer durch angenehme Temperaturen besticht.
Die Ersten, die die Qualitäten dieses Fleckens erkannten, waren die Araber, die dort im 8. Jahrhundert oberhalb des heutigen Sintra das Castelo dos Mouros errichteten. Zwar sind von dieser Maurenburg nur noch die Umfassungsmauern, die Festungstürme und Überreste einer alten Kapelle erhalten, aber wer je auf den alten Steinen wandelte, wird den atemberaubenden Blick auf Sintra, die Küste und das Hinterland nicht mehr vergessen.
Ganz in der Nähe thront auf einem weiteren Gipfel der Palácio da Pena. Dom Fernando II ließ ihn 1839 für seine Gemahlin Maria II auf der Ruine eines manuelinischen Bergklosters erbauen. Für echte Stilpuristen ist das märchenhafte Schloss ein Horror: Denn der König ließ nicht nur den alten Kreuzgang und die Kapelle in das neue Gebäude integrieren, sondern auch romanische Bögen, gotische Türme, maurische Minarette, manuelinische, indische und barocke Stilelemente verbauen. Aber für Freunde des Unkonventionellen ist diese angehäufte Stillosigkeit nicht nur überaus sehenswert, sondern auch sehr charmant.
Inmitten der historischen Altstadt von Sintra bezaubert der Palácio Nacional de Sintra, das heutige Wahrzeichen der Stadt. Erbaut wurde er vermutlich von einem Maurenfürsten, ab dem 13. Jahrhundert von König Dom Dinis und seinen Nachfolgern harmonisch erweitert und ergänzt. Bis zur Errichtung des Palácio da Pena diente er fünf Jahrhunderte lang dem portugiesischen Hof als königliche Sommerresidenz. Von fast jeder Stelle des Ortes sind seine beiden ungewöhnlichen, konischen Küchenkamine zu sehen und im Innern findet man einen der größten Schätze Portugals: die Azulejos. Nirgendwo sonst auf der Iberischen Halbinsel entdeckt man schönere und umfangreiche Fliesenbilder im Mudéjar-Stil.
1996 erklärte die UNESCO die Stadt und ihre Umgebung als Kulturlandschaft zum Weltkulturerbe. Denn was Lord Byron schon vor 180 Jahren sagte, gilt auch heute noch: Die Serra de Sintra ist wie der Garten Eden - ein Platz von seltener Schönheit.
Melanie Ulrich, www.xxl-news.de
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