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Reisemagazin - Frankreich

Troyes: Stadt der Fensterkunst

Wunderschöne alte Fachwerkhäuser, malerische Gassen, beeindruckende Kirchen: Die Schönheit von Troyes muss man nicht erst suchen, sie offenbart sich auf den ersten Blick. Die Stadt im Herzen der Champagne ist eine charmante Mischung aus Renaissance, Mittelalter und Moderne, bunt und lebenslustig.

Anderthalb Stunden östlich von Paris findet man ein einmaliges Kleinod: Troyes, der größte Ort Frankreichs mit einer vollständig erhaltenen Altstadt aus Fachwerkhäusern. Nirgendwo sonst gibt es eine so einheitliche Ansammlung wie hier. Die Stadt am Ufer der Seine, im Mittelalter Hauptsitz der Grafen der Champagne, wurde zwar im Jahr 1524 durch eine Feuerbrunst fast komplett zerstört, aber anschließend mit Hilfe vieler ansässiger Künstler originalgetreu wieder aufgebaut.

Von beiden Weltkriege verschont, präsentiert sich Troyes heute ganz im Charme des Fachwerks. Nur der Bauwut der frühen Sechziger Jahre wäre die Stadt beinahe zum Opfer gefallen. Glücklicherweise wurde der komplette Innenstadtbereich rechtzeitig geschützt und heute steht eine Fläche von insgesamt 53 Hektar unter Denkmalschutz. Seitdem wird renoviert und restauriert, das es eine wahre Freude ist. Troyes dürfte die einzige Stadt sein, in der selbst Baustellen außerordentlich interessant sind: Häuser, bei denen nur noch die Balken stehen und andere, die gerade mit Mörtel befüllt oder angestrichen werden - alle Stadien der Restaurierung lassen sich hier beobachten.

Ein Großteil der Häuser erstrahlt längst wieder in seiner ursprünglichen Pracht. Beim Gang durch die gepflasterten Straßen kann man die Poesie der Holzwerkbauten entdecken: grüne, blaue, gelbe und blassrosa Fassaden, Fensterkreuze, geschnitzte Balken, Erker, Wendeltreppen, überkragende Stockwerke, Spitzgiebel und Schirmdächer, wohin das Auge schaut. Viele Straßen sind für Autos gesperrt, so dass man in aller Ruhe auf Entdeckungstour gehen kann. In den verwinkelten Gassen lassen sich überall zauberhafte Innenhöfe entdecken und traditionelle Restaurants wie "Le Valentino" oder "Le Jardin Gourmand" in der Rue Paillot de Montabert laden zum Verweilen ein.

Von den einst 120 Kirchtürmen zur Zeit der Revolution sind heute noch neun Kirchen erhalten, eine stattliche Zahl für eine Stadt mit lediglich 60.000 Einwohnern. In ihrem Innern hüten die Sakralbauten wahre Schätze der Bildhauerei wie die Statue der Heiligen Martha oder den aus Stein gemeißelten Chorbogen in Sainte Madeleine. Aber vor allem sind die Kirchen berühmt für ihre wundervollen Glasfenster. Allein in der Kathedrale St-Pierre-et-St-Paul, eine der größten in ganz Frankreich, nehmen sie eine Fläche von mehr als 1.500 Quadratmetern ein. Unzählige biblische Szenen in Hunderten von Farben gehören zu den schönsten Glasmalereien in ganz Europa und machen Troyes zur Stadt der Fensterkunst.

Steinerne Patrizierhäuser im "Schachbrettmuster der Champagne" aus dunklen Ziegeln und weißer Kreide erinnern an die Bedeutung, die Troyes einst als Handelsplatz hatte. Händler aus ganz Europa und dem Orient strömten seinerzeit zu den berühmten Champagnermessen, tauschten Tücher, Seide und Goldschmiedearbeiten und ließen Münzen prägen. Längst hat die Region Reims die einstige Rolle von Troyes übernommen und ist wirtschaftlicher Mittelpunkt der Champagne. Aber den symbolträchtigen Umriss kann der Stadt niemand nehmen: Die ehemaligen Stadtmauern haben der Altstadt die Form eines Champagnerkorkens gegeben. Damit ist und bleibt Troyes die heimliche Hauptstadt der Champagne.

Melanie Ulrich, www.xxl-news.de

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