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Reisemagazin - Italien

Turin: Die pulsierende Metropole

Einst Synonym für Fiat und Fußball, gilt Turin mittlerweile als der Geheimtipp unter den italienischen Reisezielen. Zu Recht: Die grünste Stadt Italiens verfügt über ein beeindruckendes Stadtbild, erstaunliche Kunstschätze und ein aufregendes Nachtleben.

Turin hören und an Fiat denken: So geht es denjenigen, die die piemontesische Metropole nicht kennen. Der erste Besuch belehrt sofort eines Besseren. Statt einer grauen Autobauerstadt trifft man auf Europas Barockkapitale mit eleganten Straßenzügen, eindrucksvollen Palästen und faszinierenden Kirchen. Von museal verstaubter Atmosphäre aber keine Spur: Inmitten der historischen Gebäude präsentiert sich die Millionenstadt ganz modern und lebendig. Zeitgenössische Kunst in alten Gemäuern, moderne Einkaufsmeilen unter barocken Arkaden - charmanter kann die Symbiose aus Altem und Neuem nicht gelingen.

Schon immer war die einstige Hauptstadt Italiens innovativ: Im 15. Jahrhundert als technisch-militärisches Zentrum, später Mittelpunkt der Textilindustrie, politische Triebfeder im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts Herzstück der Automobilherstellung. Heute bleiben die ehemaligen Residenzen und Werkshallen bestehen, doch drinnen und drum herum ist alles in Bewegung. Wie die "Mole Antonelliana", das Wahrzeichen von Turin, das im Jahr 1862 als Synagoge geplant wurde und seit drei Jahren das Nationalmuseum des Kinos beherbergt. Im höchsten Mauerwerk Italiens lässt sich eine der vielfältigsten und interessantesten Ausstellungen über die siebte Kunst entdecken. Oder der Lingotto: Die einstige Fiat-Fabrik ist heute Kultur-, Kongress- und Shopping-Center mit Geschäften, Cafés, einem Hotel und der Agnelli-Pinakothek. Dort kann direkt neben berühmten Kunstwerken von Matisse, Picasso und Dalí die alte Fiat-Teststrecke besichtigt werden.

Gleichzeitig gibt es das alte, unverfälschte Turin in Form barocker Meisterwerke wie der Piazza San Carlo mit den beiden Zwillingskirchen oder die wunderbare Piazza Carignano mit dem gleichnamigen Palazzo des berühmten Architekten Guarino Guarini. Gegenüber liegt das "del Cambio", eines der ältesten Restaurants der Stadt aus dem Jahre 1757. Zwischen roten Samtvorhängen, barocken Spiegeln, alten Gemälden und vergoldeten Holzverkleidungen kann man an der Stelle dinieren, an der schon viele Berühmtheiten saßen. Typisch für Turin sind auch die Arkadengänge: Auf einer Länge von insgesamt 18 Kilometern kann man stets trockenen Fußes durch die Innenstadt flanieren und in exklusiven Modegeschäften, Schuhläden und Buchhandlungen stöbern. Um anschließend in einer der zahlreichen historischen Bars einen Aperitif zu genießen.

Am allerbesten spürt man den Geist der Stadt aber vielleicht an der Piazza Castello. Am Platz der vier Kulturen, wie er auch genannt wird, stehen Bauwerke aus verschiedenen Epochen: Fundamente und ein Turm aus der Römerzeit, um den im 18. Jahrhundert der Palazzo Madama gebaut wurde, nebenan ein Schloss aus dem 15. Jahrhundert sowie der um 200 Jahre jüngere Königspalast. Und neben all der alten Pracht thront ein quadratischer Wolkenkratzer aus der Zeit Mussolinis. Ganz in der Nähe befindet sich auch der Dom, in dem das berühmte Turiner Grabtuch aufgewahrt wird. Selbst 300 Jahre wissenschaftliche Forschung konnten sein Geheimnis nicht endgültig lüften.

Eine ungewöhnliche Stadt hat auch ein solches Nachtleben. In den alten Waschhäusern, Bootsschuppen und Werkstätten entlang der Murazzi, den Kaimauern des Po, haben heute Bars, Restaurants und Diskotheken Unterschlupf gefunden. Mit Blick auf die Berge kann man sich im abendlichen Gedränge von Bar zu Bar treiben lassen. Ausgefallen auch die Szene rund um die Docks Dora, alten Lagerhäusern entlang der Eisenbahnschienen nach Mailand. Dort hat sich die junge Kunstszene mit unzähligen Studios, alternativen Geschäften und Clubs ausgebreitet.

Trendy geht es auch im ältesten Teil Turins zwischen Via S. Agostino und Via delle Orfane zu: Das Quadrilatero Romano hat sich von einem beinahe dem Verfall preisgegebenen Quartier zum schicken Ausgehviertel gemausert. In den engen Gassen mit römischem Kopfsteinpflaster befinden sich die angesagtesten Cafés, Bars und Restaurants der Stadt. Wenn deren Fassaden nach Sonnenuntergang in Fackelschein und Kerzenlicht getaucht werden, entsteht eine magische Stimmung, die ihresgleichen sucht - und zum Wiederkommen einlädt.

Melanie Ulrich, www.xxl-news.de


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