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 Reisemagazin - Kanada
Abenteuer auf vier Rädern – mit dem Wohnmobil durch West-Kanada
Draußen war es trübe und regnerisch, als wir an einem Sonntagnachmittag beschlossen, dass unsere nächste Reise nach Kanada, genauer gesagt nach West-Kanada gehen sollte. Uns schwebten Freiheit und Abenteuer auf vier Rädern vor. Und nun stehen wir nur ein paar Monate später auf dem Hof eines Wohnmobilvermieters in Vancouver. Dort steht der Truck-Camper, der für die nächsten vier Wochen unser fahrbares Zuhause sein wird. Walter, ein Mitarbeiter, erklärt uns auf Deutsch alle wichtigen technischen Vorrichtungen im Auto und in der Kabine. Wie man die Abwassertanks entleert oder Gasflaschen auswechselt, auch wie wir die Standheizung zum Laufen bringen, was uns in Anbetracht der hochsommerlichen Temperaturen noch ziemlich absurd vorkommt.
Wir verstauen unser Gepäck in der kleinen aber feinen Kabine und richten uns häuslich ein. Unser Campmobil ist ein wahres Platzwunder mit unendlichem Stauraum und jeglichem Komfort, den man sich nur wünschen kann, dabei aber absolut praktisch und durchdacht. Wir sind begeistert. Die letzten Papiere werden unterschrieben und schon geht es auf Tour mit unserem rollenden Hotel. Die ersten Kilometer sind noch recht ungewohnt mit unserem „Schiff“ von Auto. Doch nachdem wir Vancouver hinter uns gelassen haben, geht’s richtig gut. Und auch an die Automatikschaltung gewöhnt man sich rasch.
Unseren ersten Halt machen wir an einem Einkaufszentrum. Unser Kühlschrank wird mit allem Notwendigen gefüllt, dann machen wir uns auf die Suche nach einem Camping-Platz, wo wir die Nacht verbringen können. Wie immer ist die Suche nach dem ersten Übernachtungsplatz die Schwierigste. Unser Reiseführer empfiehlt einen Provinz-Park an einem See. Der liegt inmitten eines Waldes. Doch an der Anmeldung ist niemand zu sehen, so fahren wir weiter. Nicht weit entfernt liegt schon ein privater Campingplatz, wo wir unser Lager aufschlagen. Leider ist auf Grund der extrem hohen Waldbrandgefahr kein offenes Feuer erlaubt, doch wir haben ja einen Herd mit Backofen an Bord, so wird das Steak eben in der Pfanne gebrutzelt.
Schon am nächsten Tag lernen wir was wir beim letzten Provinz-Park falsch gemacht haben. Fast in allen dieser staatlichen Parks sucht man sich einen schönen Platz aus und entweder kommt am Abend ein Mitarbeiter vorbei, der die geringe Gebühr kassiert oder man wirft die „Camping-Fee“ in einen bereitstehenden Briefkasten ein.
Während unserer Reise stellen wir sehr selten unser Wohnmobil auf kommerziellen Campgrounds ab, weil die Provinz-Parks immer an den landschaftlich reizvollsten Fleckchen liegen, was das Fehlen von sanitären Anlagen mehr als wett macht. Meistens, bis auf wenige Ausnahmen, gibt es nur sogenannte „pit toilets“. Zu Deutsch sind das einfach Plumpsklos. Doch wenn wir duschen möchten, drücken wir in unserem fahrbaren Luxushotel einfach auf einen Knopf und binnen zehn Minuten verwandelt sich unsere Minitoilette in eine Duschkabine.
Spannend wird es, als zum ersten Mal unsere beiden Abwassertanks (Greywater und Blackwater) voll sind. Wir fahren also zur Abwasser-Entsorgungsstation. Hoffentlich erinnern wir uns noch an alles das, was Walter uns zu diesem Thema erklärt hatte. Den Abwasserschlauch dranschrauben, die Hebel rausziehen – und schon rauscht alles in das Gullyloch. Danach nochmals alles abspritzen, Frischwasser auftanken und fertig. Beim zweiten Mal sind wir schon „alte Hasen“.
Diese sogenannten „Dump-Stations“ oder „Sani-Stations“ finden sich fast auf allen Campingplätzen und auch in vielen Städten. Wir sind erstaunt, denn meistens darf man sein Abwasser völlig umsonst entsorgen und auch für das Auftanken von Trinkwasser wird keine Gebühr erhoben und wenn doch, dann ist diese sehr gering.
In den Rocky Mountains wird es nachts so kalt, dass wir uns mit Fleece-Pullis und Jogginghosen ins Bett legen. Morgens schalten wir dann doch die, von uns etwas belächelte, Standheizung an und sofort wird es wohlig warm. Nun können wir uns doch unter unseren Decken hervorwagen.
Während der vier Wochen, die wir unterwegs sind, fahren wir insgesamt 6000 Kilometer, durch eine einmalige Landschaft. Vorbei geht es an hohen Bergen, smaragdgrünen Bergseen, gigantischen Gletschern und ab und zu sehen wir vor uns einen Bären über die Straße marschieren.
Wir fahren mit einer Fähre und beobachten Wale, wir wandern durch duftende Wälder, aber immer auf der Hut vor Meister Petz und dann plötzlich stehen wir wieder auf jenem Hof des Autovermieters.
Sind die vier Wochen wirklich schon um? Schweren Herzens räumen wir unser Gepäck aus unserem Camper und geben den Schlüssel ab.
Bye-bye braves Auto, bye-bye Kanada! Wir kommen bestimmt wieder!
Unsere Tour können Sie in Bildern hier nachverfolgen: Start in Vancouver, Whistler, Kamloops, Yoho Nationalpark bis Lake Louise. Weiter bis Jasper auf dem Icefields Parkway, von Jasper bis Prince George, von Prince George über Hazelton nach Steward und Hyder (Alaska), weiter bis Prince Rupert, Inside Passage nach Vancouver Island (Bären, Wale) und zurück über Victoria nach Vancouver. Fahrstrecke rund 5000 Kilometer. Bilder von unserem Camper hier.
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Text: Heike Gerber, www.fernweh.com
Bilder: fernweh.com
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