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Reisemagazin - Malaysia

Mulu Nationalpark - Höhlenzauber auf Borneo

Hier klicken: Tausende Fledermäuse verlassen die Höhle 345kByte, Windows Media

Tipp: Wenn Sie mehr Zeit haben und ein kleines Abenteuer erleben möchten dann sollten Sie unbedingt die riesige Sarawak Chamber besichtigen. Sie gilt mit 600 Metern Länge, 450 Metern Breite und 100 Metern Höhe, als die größte Höhlenkammer der Erde.

In unserer kleinen Propellermaschine überfliegen wir den immergrünen scheinbar endlosen Regenwald. Ab und zu ragen blühende Urwaldriesen majestätisch in die Höhe, kleine Ortschaften liegen an gewundenen Flussarmen, aber leider sehen wir auch große abgeholzte Flächen, die uns wie klaffende Wunden vorkommen. Gemächlich schaukeln wir in Richtung Mulu National Park.

Nach der Landung auf dem winzigen Flughafen in Mulu erfahren wir, warum gerade hier soviel Wald abgeholzt wurde. Aus Sicherheitsgründen soll der Flughafen vergrößert werden und natürlich will man so mehr Touristen in den National Park bringen. Selbstverständlich werde dann alles wieder aufgeforstet und renaturiert. Immerhin gehört der Park seit kurzem zum UNESCO Welterbe der Menschheit - das sollte verpflichten.

Albert Willy, unser Guide, liefert uns im wunderschönen Mulu Resort ab, wo wir die nächsten zwei Tage wohnen werden. Wir erreichen gerade noch trockenen Fußes unser kleines Chalet direkt am Ufer des Melinau-Flusses. Mit einem Tiger-Bier in der Hand schauen wir auf dem Balkon dem tropischen Wolkenbruch zu, der genauso schnell aufhört wie er begonnen hat.

Das Mulu Resort ist sehr weitläufig und inmitten von grüner Natur findet sich sogar die "King’s Suite", wo schon mal der König und die Königin von Malaysia samt Gefolgschaft absteigen. Unser Reisebudget würde die Miete für das 160 Quadratmeter große Domizil aber gewaltig sprengen. Ganz in der Nähe gibt es für Wagemutige auch Klettersteige in verschiedenen Schwierigkeitsstufen. Wir gehen dann aber doch zur Abkühlung in den Pool.

Am Nachmittag machen wir uns auf den Weg zu den großen Höhlen, für die Mulu so berühmt ist. Albert ist zwar kleiner als ich, aber ungemein drahtig. Das macht uns Angst. Wir haben zwar tolle Trekking-Schuhe, sind aber ansonsten eher untrainiert. Doch da hätten wir uns keine Sorgen zu machen brauchen. Auf einem bequemen Plankenweg geht es durch den Regenwald. In der Lang Cave bestaunen wir fantasievolle Stalagtiten und Stalagmiten, wecken kleine, an der Decke hängende, Fledermäuse und erfahren, dass die Höhle ihren Namen nicht etwa ihrer Länge verdankt, sondern nach einem einheimischen Führer. Dieser brachte die erste Forschergruppe 1977 zu dieser Höhle.

Ein kurzer Fußweg führt uns zur Deer Cave. Der gewaltige Tunnel den die Natur in Jahrmillionen in den Berg gegraben hat ist mit einer Länge von 2,16 Kilometer die längste Höhlenpassage der Welt. Sie ist so breit, dass man einen Jumbo-Jet darin quer parken könnte und wenn man den Stuttgarter Fernsehturm hineinstellen würde, so würde dieser nicht einmal an der Decke anstoßen. Heerscharen von Fledermäusen und nistende Schwalben haben den Boden mit Guano gepolstert, der ziemlich "würzig" riecht. Wir müssen sehr vorsichtig über klitschige Leitern hoch und wieder hinunterklettern und irgendwo unter uns in der Dunkelheit gurgelt ein Bach.

Plötzlich fällt gleißendes Tageslicht in den Tunnel, durch den Höhleneingang, der so groß wie eine Kathedrale ist. So viel Schönheit lässt uns ehrfürchtig staunen. Wir stehen im Garden of Eden, einem Stück Regenwald mit riesigen Bäumen, herabhängenden Lianen, dichtem Unterholz und eine kühlen Bach, in dem es von Fischen nur so wimmelt.

In der Abenddämmerung bietet sich uns ein besonderes Schauspiel. Dann nämlich verlassen Millionen von Fledermäusen die Höhle um auf die Jagd nach kleinen und großen Insekten zu gehen. Mit einem Brausen schrauben sie sich wie Spiralen in den Abendhimmel. Immer mehr Flugverbände, mit tausenden von Tieren, schwirren über unsere Köpfe. Wir könnten ewig hier sitzen, doch die Nacht bricht schnell herein und Albert drängt uns zum Aufbruch. Begleitet von einem ohrenbetäubendem Froschkonzert geht es zurück.

Am nächsten Tag stehen zwei weitere Höhlen auf dem Programm. Dieses Mal fahren wir im Boot, zusammen mit zwei netten japanischen Touristinnen, die leider kaum Englisch sprechen. Wir halten zuerst an einem Dorf der Penan an, die dort ihre Waren feilbieten, Matten und Taschen aus Rattan und Kettchen aus Plastik- oder Glasperlen. Früher waren sie stolze Nomaden, doch sie wurden vom Staat sesshaft gemacht und mit allem Komfort der Zivilisation, einschließlich einer neuen Religion, gesegnet. Natürlich alles nur zu ihrem Besten. Wir fühlen uns ein wenig wie im Menschenzoo.

Die Weiterfahrt mit dem Boot ist für unsere Guides zum Teil mit schwerer Arbeit verbunden, da der Wasserstand sehr niedrig ist, müssen sie oft das Boot und uns Touristen über flache Stellen ziehen. Nach einem steilen Aufstieg erreichen wir schwitzend und schnaufend die Wind Cave, die ein natürliches Belüftungssystem besitzt infolge eines ununterbrochenen Luftzuges, der erfrischend durch die Höhle weht.

Nach einem gemütlichen Picknick machen wir uns frisch gestärkt über 200 Stufen auf zur Clearwater Cave. Die Clearwater Cave ist ein Labyrinth von Gängen und Höhlen die, wenn man sie aneinander reihen würde, eine Länge von 150 Kilometern hätte. Sie ist das größte Höhlensystem Südostasiens. Ihre Tropfsteinformationen sind wie die Requisiten aus "Herr der Ringe". Durch die Höhle fließt ein 108 Kilometer langer kristallklarer Fluss, der irgendwo mitten im Urwald seinen Anfang hat und an unserem Picknickplatz in einem kleinen natürlichen Pool wieder das Tageslicht erblickt. Und was ist das für ein Gefühl sich im kühlen Nass wieder abzukühlen!

Schon ist unsere Zeit in Mulu um. Der Flugkapitän der kleinen Twin-Otter-Maschine versüßt uns den Abschied von diesem Park der Superlativen mit einem kleinen Schlenker über die Pinnacles. Diese bizarren Kalksteinformationen ragen wie Nadeln aus dem grünen Dschungel. Ein atemberaubender Anblick.

Text und Bilder: Heike Gerber, fernweh.com










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