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 Reisemagazin - Österreich
Graz: Europäische Kulturhauptstadt 2003
Ganz Graz eine Bühne für Kultur in allen Schattierungen. Das Spektrum reicht von Installationen und Ausstellungen über multimediale Inszenierungen bis hin zu Theater- und Filmaufführungen sowie unzähligen spontanen Events. Kurzum, Hunderte von Ereignissen, die die beschauliche Stadt im Südosten der Republik während des gesamten Jahres in den Blickpunkt rücken.
Eines der spektakulärsten Projekte: Die futuristische Insel inmitten des Flüsschens Mur, das Graz zerteilt. Die schwimmende Muschel des New Yorker Künstlers Vito Acconci, ein von Stahltauen in den Fluten gehaltenes Floß. "Ein Ding, das wie ein Raumschiff auf dem Fluss liegt", so der Künstler und Stararchitekt. Als exponiertes Symbol wirbt Acconcis über Stege erreichbares und begehbares Kunstwerk für die europäische Kulturhauptstadt.
Während der Tage als europäische Kulturhauptstadt wandelt sich die beschauliche Stadt und rückt in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Das ist ungewohnt, denn eigentlich geht es hier recht beschaulich zu, Hektik ist in den Gassen und Straßen nicht Zuhause, eher eine mediterrane Leichtigkeit, wie man sie von den schönen Plätzen Italiens kennt. Der Hauptplatz der Stadt findet sich unterhalb des Schlossbergs in der Altstadt. Zwischen Häusern aus acht Jahrhunderten spielt sich hier das Leben ab in Bars und Cafés, in den Läden, Prunkbauten und Wohnhäusern. Ein faszinierendes Miteinander der verschiedenen Stile und Epochen, sorgsam und mit viel Liebe zur Architektur bewahrt. Da war es nur folgerichtig, dass Graz mit einer der schönsten Altstädte rund um den Globus 1999 zum Weltkulturerbe erklärt wurde.
Gestaltung hieß in Graz aber auch schon immer Respekt vor der Natur. Und so besteht fast ein Drittel der Stadt aus Parks und Erholungsflächen. Angesichts von durchschnittlich 318 Sonnentagen pro Jahr sind diese auch rege besucht. Der Stadtpark unterhalb des Schlossbergs grenzt direkt an die Altstadt und ist auch jenseits der Aktivitäten des Kulturjahres 2003 eines der wichtigsten Foren für Lesungen, Theater und Musik.
Im 13. Jahrhundert thronte eine große Festung auf dem später so getauften Schlossberg. Sie konnte lange von keiner feindlichen Macht eingenommen werden, weswegen die Slawen sie respektvoll "Gradez" nannten, "die kleine Burg". Aus jener Zeit stammt ein Turm, seinerzeit genutzt als Aussicht für Feuermelder, später dann beherbergte er die erste öffentliche Uhr. Ganz akkurat tickt das Wahrzeichen der Zeit allerdings nicht: Denn über den Dächern von Graz zeigt der kleine Zeiger die Minuten und der große die Stunden an. Weil eben etwas anders, sind die Grazer besonders stolz auf ihr weithin sichtbares Chronometer.
(Paul Balthasar)
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