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 Reisemagazin - Deutschland
Insel Poel: Unbekanntes Kleinod
Warum in die Ferne schweifen, liegt das Gute doch so nah - nämlich mitten in der Ostsee, gleich gegenüber der Hansestadt Wismar und 100 Kilometer von Hamburg entfernt. Die Insel Poel ähnelt aus der Vogelperspektive einer krummen Mondsichel - umgeben von blauer See.
Zu Land drängt sich dem stressgeplagten Urlauber Erholung förmlich auf. Reine Meeresluft, idyllische Strände und die wohl tuende Ruhe dürften selbst dem muffeligsten Großstadtneurotiker ein entspanntes Lächeln auf die Lippen zaubern. Das flache Eiland erreicht man über einen kleinen Damm, der im Jahr 1927 aufgeschüttet wurde. Gleich dahinter grasen auf grünen Wiesen Schafe, und im kühlen Meerwasser gondeln unzählige Wasservögel träge dahin.
Das Herz der Insel, das beschauliche Örtchen Kirchdorf, scheint frei von Hektik. Das größte Gebäude ist hier immer noch die im 13. Jahrhundert errichtete Kirche, in der zuweilen auch die alte Orgel pfeift. Schön sind die Sandstrände der Insel in Timmendorf, am Schwarzen Busch und in Gollwitz. Neben dem Badebetrieb schippern auch etliche Sportboote über die Wellen. Platz für die Kähne gibt es an den Bootsstegen in der inseleigenen Bucht - dem Kirchsee.
Wer lieber auf festem Boden wandelt, kann das Inselchen von 37 Quadratkilometern - fast drei Mal kleiner als Sylt - auf etlichen Wanderwegen erkunden: Zu Fuß aber auch zu Pferd oder auf dem Fahrrad. Gedränge auf den Wegen gibt es nie, denn Poel ist einsam und als Reiseziel eher ein Geheimtipp. Neben grandioser Landschaft und himmlischer Ruhe gibt es noch etwas auf der Insel: Gutes Essen. Die wohl beste Adresse ist der Poeler Forellenhof. Im gediegenen Restaurant gibt es Fisch in allen Variationen: Eben noch in der Ostsee, wenig später fein garniert auf des Gastes Teller.
Den schnelleren Happen bekommt der Besucher zehn Meter weiter in Richtung Meer, in der so genannten Fischkiste. Zwar wandern hier leckere Schuppentiere mit rustikalen Beilagen über die Theke, doch zu bestaunen gibt es hier weitaus mehr. Dekoriert mit den Gerätschaften alter Seefahrer ähnelt der Laden auf dem Forellenhof eher einem Museum als einer herkömmlichen Imbissbude. Hier wird übrigens der Fisch nach alter Tradition über schwelenden Holzscheiten geräuchert.
Im Kirchdorfer Heimatmuseum und in der Galerie Inselstuw gibt es etwas Dauerhafteres als den Fisch von der Hand in den Mund: Bilder, Grafiken, Porzellan, Handgeklöppeltes, Glasfiguren aus vergangenen Zeiten. Die darf man bestaunen und kaufen - als Erinnerung an erholsame Tage.
(Tino Hanekamp)
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