 Reisemagazin - Malaysia
Sarawak - Der Charme der Kopfjäger
Die tropische Nacht ist angefüllt mit den dumpfen Klängen der Trommeln und Gongs. Die Töchter der Kopfjäger tanzen den traditionellen "Ngajat", den Erntetanz der Iban. Silberschmuck klimpert an ihren traditionellen Stammestrachten. Mit Eindringlingen waren die Ureinwohner Borneos einst wenig zimperlich. Doch heut zu Tage behandeln die Iban jeden Fremden wie einen Ehrengast. Und so wird der Besuch zu einem der unvergesslichsten Erlebnisse auf Sarawak.
Bis zum Anfang des vorigen Jahrhunderts waren die zum Volk der Iban zählenden Krieger die gefürchtesten Kopfjäger Borneos. Grausige Trophäen baumeln noch heute unter manchem Dach einer Veranda. Mittlerweile geben sich die Männer des Stammes jedoch mit der "Jagd auf Touristen" zufrieden. Die Unterkünfte der Iban stehen an Flussufern. Deshalb sind sie auch nur mit Langbooten auf dem Wasserweg erreichbar.
Wer das ursprüngliche Leben sucht, wird den exotischen Charme des Dschungels genießen. Auf einer abenteuerlichen Reise geht es in einem schmalen, motorisierten Boot flussaufwärts - auf idyllischen Wasserwegen gleitet man unter dem Laubwald der Urwaldriesen vorbei an weißen Kieselstränden. Mit etwas Glück können Touristen einen Eisvogel im Gleitflug vorbeischweben sehen.
Bei der Ankunft im Langhaus wird man wie ein Ehrengast behandelt. Zur Begrüßung gibt es traditionelle Tänze. Zuerst werden die regionalen Gottheiten in einer rituellen Zeremonie mit Opfergaben günstig gestimmt. Danach wird dem Gast selbst gebrannter Reiswein kredenzt, begleitet von einem festlichen Mahl mit Spezialitäten des Landes. Auf den Tisch kommen etwa Hähnchen im Bambusrohr oder roher Fisch a la Melanau. Wenn die Gastgeber beginnen die Gongs zu schlagen, ist das gewöhnlich das Zeichen für den Tanzbeginn. Danach geht es ans Erzählen: Fesselnde Geschichten aus der sagenumwobenen Vergangenheit der Insel lassen die Zeit wie im Fluge vergehen.
Geschlafen wird in den auf Stelzen stehenden Unterkünften der Iban. Sie bieten Platz für bis zu 24 Wohnungen und etwa 100 Menschen. Im wesentlichen umfassen sie drei Bereiche: Die Tanju genannte offene Veranda erstreckt sich über das gesamte, 100 Meter lange und oft 40 Meter breite Gebäude. Der Ruai – ein überdachter Vorbau - ist Mittelpunkt der Gemeinschaft. Hier werden Handwerksarbeiten ausgeführt, ein Schwätzchen gehalten, religiöse Zeremonien und Gerichtsverhandlungen abgehalten. Hinzu kommen die separaten Wohn- und Schlafräume der einzelnen Familien. Müde von den vielen Eindrücken kann man sich hierhin schließlich für eine wohl verdiente Nachtruhe zurück ziehen.
Foto: Sarawak Tourism
Melanie Ulrich
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