 Reisemagazin - Namibia
Der Canyon des Drachen
Im Süden von Namibia ist es einsam: Auf einen Quadratkilometer kommen hier nicht einmal zwei Menschen. Stundenlang kann man das felsige Gelände durchstreifen, ohne einer Menschenseele zu begegnen. Und das ist gut so, denn so viel Schönheit möchte man fast nicht teilen.
Braun- und Sandtöne dominieren die Landschaft, nur manchmal sorgt ein wenig Gestrüpp für grüne Farbtupfer. Der tiefblaue Himmel bildet einen krassen Kontrast. Erst wenn die er bei Sonnenuntergang Feuer fängt, scheint er sich mit der Erde im Einklang. Nichts scheint sich zu bewegen, nur ab und zu bringt ein einzelnes Wildpferd Leben in die Szenerie. Und dennoch zeigt sich die Natur hier von ihrer kreativsten Seite. Besonders typisch für die Gegend sind die kuriosen Köcherbäume, dank ihrer spärlichen Krone und der goldgelben Rinde nicht zu verwechseln. Die Bäume stehen unter Naturschutz; der berühmte Köcherbaumwald in der Nähe der Stadt Keetmans-Hoop steht sogar unter Denkmalschutz. Mit rund 300 dieser Gewächse ist der Wald nicht gerade groß, aber einzigartig.
Durch Farmland, auf dem vorwiegend die Karakulschafe gezüchtet werden, führt der Weg über Rehoboth ins Namaland. Dessen Hauptort Gibeon wurde durch die hier gefundenen Bruchstücke eines enormen Meteoritenregens weltbekannt. Der östliche Teil gehört schon zum Kalaharibecken mit seinen rotsandigen Dünen und abflusslosen Salzpfannen. Düster erhebt sich der Brukkaros 650 Meter über die Ebene. Einst hielt er die Forscher zum Narren: Wegen einer kraterähnlichen Senke im Gipfel wurde der Berg irrtümlich für einen erloschenen Vulkan gehalten.
Höhepunkt einer jeden Reise in den Süden Namibias ist der Fish River Canyon. Besucher erwartet eine gewaltige Schlucht von 161 Kilometer Länge und 27 Kilometer Breite. Nur der Grand Canyon ist größer. Der Legende nach entstand der Canyon, als der Drache Kouteign Kooru vor Jägern flüchtete. Er zog sich in die zurück und grub dabei tiefe Furchen in das Land. Wer sich die steilen Felswände herunter wagt, sollte eine gute Kondition mitbringen - unter der glühenden Sonne wird jeder Spaziergang zum Kraftakt. Für Führungen durch die Schlucht sind mindestens vier Tage einzuplanen. Kleiner Lichtblick: Am Ende des Canyons wartet Ai Ais, eine Oase mit heißen Mineralquellen.
Von der Schönheit Südnamibias haben sich auch antarktische Bewohner überzeugt. Auf vorgelagerten Inseln beim Städtchen Lüderitz haben es sich Robben und sogar Pinguine bequem gemacht. Kein Wunder, wer will schon ewig in der Kälte leben?
(XXL-News/Jun M. Lee)
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